[Mecklenburg-Vorpommern]  [Seebad Ückeritz]

Wissenswertes über das
 
Forstamt Neu Pudagla

Der Amtsbereich des Forstamtes umfasst den gesamten deutschen Teil der  Insel Usedom.
Geformt wurde Usedom insbesondere durch das weichselspätglaziale Inlandeis sowie durch Wind und Ostseewasser. Während die Gletschervorstöße die isolierten Inselkerne schufen, wurde mittels Schwemmsand, z.T. auch Moorbildungen, die Inselkerne zum harmonischen Ganzen verbunden. Mit den Problemen der noch anhaltenden Küstenbewegungen haben sich die Forstleute Usedoms auch heute noch auseinander zusetzen.
Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt 492 mm bei einer Jahresmitteltemperatur von 8,5 °C. Bemerkenswert ist, das die Neigung zu Spät- und Frühfrösten sehr gering ist und die Sonne deutlich mehr als in anderen Regionen scheint.

Die Waldentwicklung hängt im ganz entscheidenden Maße mit der geschichtlichen Entwicklung der Inselbevölkerung zusammen.
Forstamt Pudagla Sicher auch durch die Insellage bedingt, lassen sich die Anfänge einer von Mönchen des Klosters Pudagla durchgeführten Waldwirtschaft bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts zurückverfolgen. Im Zuge der Reformation fielen 1554 die klösterlichen Besitzungen an die Wolgaster Linie des vorpommerschen Herzoghauses, das um diese Zeit jagdliches und forstliches Personal einstellte.
Die bisher fast 450 Jahre währende Forst- und Jagdverwaltung, erst im Dorf Pudagla, ab 1849 im Ortsteil Neu Pudagla des Seebades Ückeritz, verhinderten durch eine geregelte nachhaltige Forstwirtschaft die Holznot, wie sie im 17. und 18. Jahrhundert in anderen Gegenden Deutschlands weit verbreitet war. Größere Waldrodungen sind erst aus dem 19. Jahrhundert bekannt.
Trotzdem zählt die Insel Usedom mit einem Waldanteil con 25% noch immer zu den waldreichen Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns.

In ansonsten wirtschaftlich schwachen Regionen kommt der touristischen Komponente des Waldes (ca. 1,0 Mio. Urlauber/Jahr) eine erhebliche Bedeutung zu. So ist auch die Geschichte des Forstamtes Neu Pudagla stark mit der Entwicklung des Fremdenverkehrs verbunden. Den touristischen Grundstein legte 1824 Forstmeister Georg v. Bülow, der mit dem Bau des "Weißen Schlosses" im Wald des heutigen Seebades Heringsdorf der Inselbevölkerung eine völlig neue Erwerbsmöglichkeit erschloss und damit dem Leben auf Usedom eine andere Richtung gab.
1851 genehmigte Forstmeister Schulz, der erste Leiter des Forstamtes in Neu Pudagla, den Zugang zu den Stränden durch die königlichen Forsten, womit ein ungeahnter Aufschwung des Badebetriebes an der gesamten Küstenlinie begann. 1852 wurde durch das Forstamt einDr.-Hölzer-Gedenkstein Knüppeldamm durch das Gänsemoor von Ückeritz nach Bansin gebaut. Heute befindet sich dort im wesentlichen die B 111. Selbst bei der Errichtung von Orten, wie Karlshagen, Ahlbeck oder Loddin war das Forstamt durch gezielte Waldverkäufe beteiligt. Die Namensgebung des Seebades Trassenheide ist sogar auf den ehemaligen Förster Trassen zurückzuführen. Nicht zu vergessen sind auch die Verdienste des Oberförster Schrödter für die Entwicklung des Küstenschutzes. So forstete er u.a.1818/19 den Streckenberg am Steilufer von Koserow auf, um das Seebad und die dahinterliegenden Ackerflächen vor Sandverwehungen zu schützen. Die Liste der der positiven Einwirkungen auf das Geschehen Usedoms lässt sich bis heute fortsetzen. So sei auch an das Wirken von Dr. Hölzer im Forstamt erinnert, dem Erfinder des ersten elektronischen Analog-Computers. Auch der Campingbetrieb wurde erst durch die Bereitstellung von Waldflächen durch das Forstamt ermöglicht.

Wie schon 1889, 1911 und 1999, als das Forstamt Treffpunkt des Pommerschen, bzw. Deutschen Forstvereins war, ist das Forstamt auch heute noch ein beliebter Anlaufpunkt für Fachleute aus dem In- und Ausland. So wurden hier in den zurückliegenden Jahren nicht hur Förster und Interessierte aus allen Teilen der Bundesrepublik, sondern auch aus Polen, Schweden, Finnland, Norwegen, Estland, Österreich, Ungarn, den USA und der Dominikanischen Republik begrüßt.